Laos I Luang Nhamta I Motorradtour

Zur unserer nächsten Station Luang Nhamta gibt es keine direkte Verbindung. Und so ging es mit Umsteigen für 50.000 Kip in die Stadt Udomxay. Hier angekommen muss man jedoch einen Tuk Tuk für ca. 10.000 Kip zu der anderen Busstation nehmen. Für weitere 40.000 Kip geht es endlich nach Luang Nhamta.

Die Stadt an sich ist nicht sehr schön und außer Trecken gib es hier nicht viel zu tun. Für ein Doppelzimmer zahlt man hier im Schnitt zwischen 60.000 – 100.000 Kip. Leider haben wir in dieser Stadt nicht so viel Zeit, da wir uns kurzfristig entschlossen haben die Gibbon Experience mit zu machen.

Abends haben wir uns schon ein Motorbike ausgesucht und die Preise erfragt. Hier sind definitiv die billigsten Mopeds zu haben. Einen alten Roller bekommt man schon für 30.000 Kip. Einen neuen für 40.000 Kip und eine Art Crossbike schon für unglaubliche 50.000 Kip. In dem Mietbüro haben wir einen Russen kennen gelernt, der hier auch den Crossbike gemietet hatte. Die Maschine hat er uns wärmstens empfohlen und eine wunderschöne Route zugleich. Diese hatten wir uns schon selber ausgesucht und noch mal von jemand anderem bestätigt zu bekommen, dass diese Route gut ist, ist schon mal einiges Wert.

Am nächsten Tag schön Nuddelsuppe gefrühstückt, Crossbike ausgeliehen und um 10:30 Uhr ging es los. Eigentlich viel zu spät gestartet, doch laut unserer ausgerechneten Route müssten es um die 100 km sein, was an einem Tag machbar ist, den das Bike müssen wir spätestens um 19 Uhr wieder abgeben. Kein Ding, dachten wir uns. Völlig unvorbereitet, bekleidet nur mit einer Hose und leichten T-Shirt fuhren wir los. Vorher 3,5 Liter getankt, müsste ja eigentlich für die 100 geplante km ausreichen. Die Straßen sind wunderbar zu fahren und besser asphaltiert als auf manchen Straßen in Deutschland. Dabei denken wir an unseren Freund Stas, wie wunderbar er es finden würde hier mit eigenem Bike durchzufahren. Die kurvigen Straßen, die sich von einem Berg zum nächsten winden, die grünen und trockenen Reisfelder, wo die grauen Bullen versuchen noch das letzte Stück Gras rauszupicken, die schönen Bambushäuser, die jeden Moment zusammenfallen würden, der frische Wind und die Sonne machen das Fahrerlebnis unbeschreiblich schön. Unterwegs merken wir, dass wir uns kilometermässig ziemlich verkalkuliert haben. Bevor man ins Nationalpark reinfährt, sind es von der Stadt bereits ca. 60km. Schätzungsweise ist der Loop doch doppelt so groß, geschätzte 150km. Bevor wir im Nationalpark stecken bleiben, irgendwo im nirgendwo, weit und breit keine Tankstelle und kein Dorf, haben wir uns entschlossen weiter 5,5 Liter zu tanken. Rechts abgebogen in die Straße, die ins Nationalpark führt, ist es vorbei mit den guten Wegen. Hier beginnt die sandig, steinige Straße, Stellenweise vom Wasser so ausgewaschen, dass die Straße richtige tiefe Risse hat, um die man umher fahren muss. Einerseits denken wir es wird Ewigkeiten dauern bis wir durch den Park durchgefahren sind, bis wir wieder in der „Zivilisation“, auf der asphaltierten Straße sind und andererseits macht es einen Tierischen Spaß und wir sind Heiden froh, dass wir den Crossbike genommen haben. Für 2,50€ mehr und man hat einen super Bike. Für diesen Nationalpark unbedingt ein Muss, sonst kann man sofort umkehren. Mit dem Roller kommt man hier nicht weit. Der erste Abschnitt ist noch etwas von den Menschen umsiedelt. Das merkt man besonders in der Natur. Überall sind abgeholzte Waldstücke und komplette Felder werden abgebrannt als Vorbereitung für die Bepflanzung. Komischer Weise, wenn man auf diesem Abschnitt an den kleinen Dörfchen durchfährt, sind die Menschen eher kalt und grüßen nicht. Auch wenn man zuerst grüßt, kommt leider nichts zurück. Vielleicht sind die Menschen hier nicht gewohnt Ausländer zu sehen und deshalb schüchtern und kalt rüber kommen. Sobald der Rauch vorbei ist, beginnt der Dschungel und die sandige Straße führt direkt dadurch. Manchmal muss man durch kleine Bächlein durchfahren. Es ist mit Sicherheit während der Regenzeit ein breiter Fluss mitten auf der Straße und bestimmt ist die Straße nur mit einem Pick Up passierbar. Mit dem Crossbike ist es für uns kein Problem. Für den Roller wäre hier eine Sackgasse. Laut dem Weg zu urteilen, den das kann man nicht mehr Straße nennen, dauert es viel zu lange. Die Steine und steiler Weg bremst die Geschwindigkeit. Auf dem Weg treffen wir drei Wanderer mit zwei Gides. Sie erzählen uns von einem Wasserfall, der nicht weit von hier entfernt ist. Die drei machen hier eine mehrtages Tour. Ja schon interessant. Sie haben sich bestimmt gedacht, sie wären hier abseits von den Touristen und auf einer Tour, für die man viel Geld hingelegt hat, möchte man sicherlich keine Touristen treffen. Wir wechseln noch ein paar Wörter und fahren weiter, den die Zeit wird einfach zu knapp. Es dauert nicht lange und wir erreichen die beschriebene Stelle. Die Stelle sieht so aus, als ob hier Treckinggruppen ihre Pausen machen. Ein paar provisorisch eingerichtete Plätze aus Bambus zum Sitzen und zum Hängematte aufhängen. Motorbike in den Büschen etwas versteckt geparkt, man weiß ja nie. Sonst kommt man vom Treck zurück und das Bike ist weg. Das wäre eine Horror – Vorstellung. An dem genannten Rastplatz gehen ein paar Sandstufen richtig steil nach oben. Anstatt unserem Instinkt zu folgen und entlang des Wassers zu gehen, nehmen wir die sandigen Stufen nach oben. Der Wasserfall sollte in 10-15 Minuten erreichbar sein, doch nach 40 Minuten Wanderung immer noch kein Wasserfall zu sehen. Dabei stehen wir auf einem Berg und sehen in die weite Ferne auf den nimmer endenden tropischen Wald. Die Berge und das Licht von der Sonne sind einfach wunderschön. Es ist bereits 15:30 Uhr. Und wir haben noch nicht einmal die Hälfte unserer Strecke. Hier wird uns klar, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen werden, unseren Bike um 19 Uhr zurück zu bringen. Auch wenn die Landschaft und die Aussicht wunderschön sind, leider müssen wir weiter. Unten wieder angekommen, nehmen wir unseren Bike aus den Büschen und hinter den Büschen sehen wir den versteckten Weg entlang des Flusses, wahrscheinlich der zu dem Wasserfall führt. Jedoch wir haben keine Zeit und wir müssen schnellst möglich weiter. Der Dschungel ist einfach klasse. Hier durchzufahren, weit und breit keine Menschenseele. Falls hier etwas passiert, kann man nicht so einfach schnell Hilfe holen. Wer weiß wann hier der nächste Einheimische durchfährt. Ein paar Stunden später, die Zeitangabe ist korrekt, kommen wir an einem kleinen Dörfchen vorbei. Davor waren es auch schon ein paar Dörfer, die wir passiert haben, jedoch dieses Dörfchen ist uns in Erinnerung geblieben. Vielleicht war es einfach nur die idyllische Atmosphäre oder das Sonnenlicht von der heruntergehenden Sonne. Ein paar Frauen, die das Wasser aus dem Fluß holen und ein paar spielende Kinder, die im Fluß rumplantschen, ein paar Kühe, die aus dem gleichen Fluß trinken. Einfach ein Gefühl, hier möchte man ein bisschen länger bleiben. Über einen kleinen Bach verlassen wir schon wieder das Dörfchen und fahren weiter Richtung Ausfahrt. Unserer aktuellen Einschätzung müssten wir um 21 Uhr wieder zurück sein. Es wird langsam dunkel und man möchte einfach ungerne auf einer Straße fahren, wo man nicht weiß, was Einen dort hinter der nächsten Kurve erwartet. Schließlich um 19 Uhr fahren wir laut der Karte auf einen gut ausgebauten Weg, raus aus dem Nationalpark. Nach einigen Metern erweist sich die Straße als nicht asphaltiert. Die ist zwar schon besser als im Nationalpark, jedoch nachts auf einer sandig, steinigen Straße zu fahren ist etwas anstrengend und nicht ganz ungefährlich und Alex ist sichtlich erschöpft, schließlich sind wir bereits seit 8,5 Stunden auf dem Bike Non Stop unterwegs, Zigarettenpause nicht gezählt. Nathalie schlägt vor sich hier ein Hotel zu suchen und morgen ganz früh weiter zu fahren. Es macht ja wenig Sinn, nachts durch eine wunderschöne Natur durchzufahren und nichts davon mit zu bekommen. Doch Alex ist sehr ehrgeizig und möchte unbedingt noch heute zurück. Rechts und links sind ein paar Bananenplantagen. Es ist richtig frisch geworden. Keine Sonne und somit keine Wärme. Hier in den Bergen, kann sich die Luft ziemlich schnell abkühlen. Und wenn man fährt, scheint die Luft mindestens doppelt so kalt zu sein. Leider haben wir keine Jacken mitgenommen, noch nicht mal unsere Windjacken. Hätten wir sie dabei, wäre die Fahrt nur noch halb so schlimm. Die T-Shirts reichen bei den Temperaturen einfach nicht aus. Das größere Objektiv haben wir aus Schutzgründen in ein Handtuch eingewickelt. Nathalie hat schließlich dieses Handtuch um sich gewickelt um etwas warm zu werden. Doch die meiste Kälte kriegt natürlich der Frontmann ab. Nach unserer aktuellen Einschätzung und den Schildern zu urteilen, wird es nichts mit den 21 Uhr zurück zu kommen. Der letzte Abschnitt ist bestimmt sehr schön. Der Mond scheint so stark und erleuchtet die Straße und die Berge. Die Straße muss so ähnlich sein wie der erste Abschnitt bis zum Nationalpark, eine kurvige Straße mit den grünen Bergen drum herum. Von der letzten Stadt bis Luang Nhamta sind es noch 59 km. Schließlich auf 20 km halten wir an. Alex füllt sich wie ein Eiszapfen an. Immer wieder hatte man in den Bergen mal warmen Wind, doch die meiste Zeit leider einen kalten. Das Handtuch haben wir um Alex drum herum gewickelt, damit es sich ein bisschen aufwärmen kann. Nathalie hat sich noch ein kleines Handtuch rausgeholt, welcher gerade dazu ausreichte um einen Arm, der am meisten dem Wind ausgesetzt war, einzuwickeln. Während der nie endenden Fahrt, kurz vor der Stadt, kommen wir wie auch anderes in eine Polizeikontrolle rein. Der Polizist holt uns von der Strasse ohne einen Blick auf uns zu werfen. Als wir vor einander standen, realisierte er, dass wir keine Einheimischen sind. Die meisten Polizisten im Laos sprechen keinen Englisch und so ohne ein Gespräch zu beginnen, signalisierte er, dass wir weiter fahren können. Das Glück war nicht von langer Dauer, den die Kälte hat uns wieder eingeholt. Und so sind wir die letzten 20 Kilometer zurück in die Stadt gefahren. Nach 12 Stunden Fahrt sind wir um 22:30 in Luang Nhamta endlich angekommen. Der Mann vom Verleih hatte extra auf uns gewartet und war etwas angepist, verständlicherweise. Die ganze Aktion war uns auf jeden Fall eine große Lehre. So unvorbereitet, ohne vorher die Route genauer abzuchecken, werden wir nicht nochmal starten, und ohne unsere Jacken garantiert erst recht nicht. Wir hatten noch richtig Glück, dass es nicht geregnet hatte, sonst würden wir am nächsten Morgen mit einer Erkältung im Bett liegen bleiben. Nach 12 Stunden „Erlebnisfahrt“, ohne Essen, ohne warme Klamotten und nur mit 1,5 Liter Wasser für zwei haben wir überlebt. Zu Belohnung sind wir auf den Nachtmarkt, welcher Gott sei Dank noch auf hatte und haben uns eine ganze Ente mit Papayasalat und Sticky Reis gegönnt, dazu kein kaltes Bier. Auch nach einer 30-minütigen Heißdusche, war es trotzdem noch kalt. Hätten wir den Trip richtig geplant, würden wir ihn auf mindestens zwei Tage aufteilen, weh nicht sogar drei um mehr Spaß an der Sache zu haben. Insgesamt haben wir mit 100 km gerechnet und um zusätzliche 180 km verschätzt. Die Zick Zack Route im Nationalpark war wirklich nicht so auf der Karte ablesbar.

Ein ganzer Tag ist nicht genug. Man sollte hier mind. 3-4 Tage bleiben und in der Gegend etwas rumfahren um die Landschaft und die verschollenen Dörfern mit nur einigen Familien zu erkunden.

Zur Info: 1€ = 8.700 kip (Stand: April 2015)

Falls du andere Erfahrungen in Luang Nhamta gemacht hast oder andere interessante Orte bzw. Aktivitäten kennst, scheue dich nicht hier deine Meinung unter „Kommentare“ zu hinterlassen.


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